Auswirkungen und Folgen von erhöhtem Fremdwasseraufkommen
Die Untersuchung des Fremdwasseraufkommens hat in den letzten Jahren in allen Kommunen und Abwasserverbänden eine erhöhte Bedeutung erhalten, welche vor allem in den steigenden Kosten von Ableitung und Behandlung des Fremdwassers begründet ist. Ein hoher Fremdwasseranteil am Abwasser kann u. a. zu folgenden Nachteilen führen:
- Die erhöhte hydraulische Auslastung der Mischwasserkanalisation durch Fremdwasser verursacht ein rascheres und häufigeres Ansprechen der Regenentlastungsbauwerke und damit erhöhte Schmutzwasserabschläge in die jeweiligen Vorfluter.
- Der Fremdwasseranfall geht in die Bemessung neu zu errichtender Anlagen zur Regenwasserbehandlung und zur Abwasserreinigung ein (Leitungssysteme, Speicherbauwerke, Pumpwerke, Kläranlagen). Ein hoher Fremdwasseranteil führt somit zu größeren und teuren Lösungen.
- Bei den Pumpwerken und Kläranlagen wirkt sich ein hoher Fremdwasseranfall nicht nur auf die Investitionskosten aus. Durch größere Wassermengen, welche gepumpt und behandelt werden müssen, und durch die so verursachte höhere Beanspruchung der Maschinentechnik, steigen auch die Energiekosten und die Wartungskosten. Die Lebensdauer von Anlagen und Maschinen wird verkürzt.
- Da Fremdwasser in der Regel kälter ist als Schmutzwasser, bewirkt ein hoher Fremdwasseranteil eine niedrigere Abwassertemperatur. Dies kann die Reinigungsleistung beeinträchtigen, zum Beispiel bei der Nitrifikation und bei der chemischen Phosphatfällung.
- Wegen der Erhöhung der Jahresschmutzwassermenge führt ein hohes Fremdwasseraufkommen auch zu einer Erhöhung der Abwasserabgabe. Dies geschieht zum einen durch die proportionale Erhöhung der Abwasserabgabe bei steigender Jahresschmutzwassermenge, und zum anderen durch den Wegfall von Ermäßigungen, wenn der Fremdwasseranteil einen nach Bundesland unterschiedlichen Grenzwert überschreitet (25 bis 50%).
- Darüber hinaus können die Ablaufwerte wegen der tatsächlichen oder angenommenen Verdünnung von den Behörden herabgesetzt werden, was zu ernsthaften Problemen führen kann, die Grenzwerte überhaupt sicher einzuhalten.
- Außerdem ist bei erhöhtem Fremdwasseranfall aus beschädigten Kanalabschnitten auch mit einer Abwasserversickerung ins Grundwasser bzw. Flusswasser zu rechnen. Dies bedeutet eine unzulässige Gewässerverschmutzung. Daher ist die gezielte Sanierung beschädigter Leitungen und Schächte ohnehin vorgeschrieben und muß im Rahmen der Eigenkontrollverordnung Zug um Zug umgesetzt werden.
- Laut einem Bericht des Ministerium für Landwirtschaft, Naturschutz und Umwelt, Thüringen verursacht ein Fremdwasserzufluss von 10 l/s im Durchschnitt jährliche Kosten von bis zu 45.000 €.
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