IVAA Ingenieurverbund Abwasser Abfall - Marktplatz für Abwasser und Abfalltechnik
 

Prioritätensetzung der Maßnahmen zur Energieoptimierung


Änderung des Reinigungsverfahrens, Austausch von Aggregaten
Je nach Zeitpunkt der Energieoptimierung sind die oben angesprochenen Handlungsebenen in Bezug zum Stand des Kläranlagenausbaus bzw. -Instandhaltung unterschiedlich relevant. Während die betriebliche Optimierung immer betrachtet werden sollte, ist eine wesentliche Änderung beim Reinigungsverfahrens natürlich nur bei größeren Um- oder Neubauten möglich. Auch ein Austausch von Aggregaten wird nur in Ausnahmefällen allein durch die Energieeinsparung zu rechtfertigen sein. Hier muß ggf. bis zur nächsten Ersatzinvestition gewartet werden.

Nachrüsten, andere Betriebsweisen, Vermeidung von Abwasser
Oft kann aber durch Nachrüsten in Verbindung mit einer anderen Betriebsweise eine wesentliche Verbesserung erzielt werden. Dies gilt insbesondere bei der Faulgasverwertung. Auch das Umfeld der Kläranlage , d. h. die Vermeidung von Abwasser im Vorfeld bzw. die Nutzung der „Abfall-Energie“ aus Abwasser und Schlamm darf nicht übersehen werden. Gerade hier ergeben sich oft große Einsparpotentiale mit relativ hoher Wirtschaftlichkeit. Allerdings sind solche Maßnahmen, wie z.B. die Verringerung von Fremdwasser durch Kanalsanierung oder die Vorbehandlung bei Indirekteinleitern eher mittel- bis langfristig zu realisieren.

Gesamtkosten und Betriebsstabilität

Bei der Umsetzung von Energiesparmaßnahmen ist es wichtig, die Einflüsse auf die übrigen Aspekte der Abwasserbehandlung und insbesondere auf die Gesamtkosten im Auge zu haben. Erste Priorität haben daher Maßnahmen, die zu einer deutlichen Verbesserung der Betriebsstabilität und/oder zu einer Senkung der übrigen Betriebskosten beitragen. Beispiele dafür sind:

  • Eine verbesserte Faulturmumwälzung führt zu erhöhter Gasausbeute und damit mehr Eigenerzeugung an Strom und Wärme. Gleichzeitig wird aber auch der Abbau des organischen Anteils im Faulschlamm intensiviert, wodurch sich die Entwässerbarkeit des Schlammes verbessert und die Entsorgungskosten sinken. Außerdem wird der unangenehmen Schaumbildung im Faulturm vorgebeugt.
  • Eine Absenkung des Sauerstoffgehaltes im letzten Beckenteil führt auch zu einer Erhöhung der Denitrifikationsrate. Damit wird die Nährstoffelimination effizienter und die Abwasserabgabe kann möglicherweise gesenkt werden.
Die 10 wichtigsten Punkte in Kurzform sind:
  1. Belastung im Zulauf verringern durch Vorbehandlung und Pufferung von Konzentraten
  2. Bei Überdimensionierung einzelne Anlagenteile außer Betrieb nehmen oder in Intervallen betreiben
  3. Schlammalter so gering wie möglich und so hoch wie nötig halten
  4. Tropfkörper oder Tauchtropfkörper oder flächige, feinblasige Belüftung einsetzen
  5. Gebläsesteuerung über Ammoniumgehalt im Ablauf oder minimierten Sauerstoffgehalt
  6. Bei Schlammkreisläufen Fördermenge und Druckverlust minimieren
  7. Überschußschlamm maschinell voreindicken, um Wärmeenergie zur Aufheizung zu sparen und den Trübwasseranfall zu reduzieren.
  8. Schlammentwässerung abgestuft und mit geringem Chemikalieneinsatz betreiben
  9. Gasausbeute im Faulturm durch gute Durchmischung und Kofermentation von Bioabfällen und Konzentraten steigern
  10. BHKWs mit hohem elektrischen Wirkungsgrad einsetzen und möglichst das gesamte Faulgas dort nutzen